GROSSKUDU, KUDU
Tragelaphus strepsiceros

Kudu Kuduabdruck



Aus dem Buch Jagen in Namibia von Kai-Uwe Denker      ISBN:99916-30-40-6

Schulterhöhe:

140 - 160 cm

Gewicht:

m 300 - 400 kg , w 120 - 210 kg

Lebenserwartung:

12 - 16 Jahre

Nahrung:

hauptsächlich Laubäser; Schoten, Früchte - auch Gras

Brunft:

Mai - Juli. Im April treten zwar schon zu fast jedem Rudel jüngere, noch nicht ganz reife Bullen auf, werden jedoch bei Beginn der eigentlichen Brunft im Mai sofort von den alten Bullen aus dem Feld geschlagen.

Tragzeit:

9 Monate

Anzahl der Jungen:

1

Weltrekordtrophäe:

187,6 cm, Save River, Mosambik

Rowland Ward Min.:

137

ALLGEMEIN


Der Reiz der Bejagung - dem Geschick, sich einem Jäger zu entziehen und der geradezu unglaublichen Schönheit, Anmut und scheuen Grazie des Kudus und seiner Trophäe - für mein Empfinden ist er möglicherweise das größte Jagdwild, nicht nur Namibias. Kein anderes Wild verbindet in solcher Harmonie massige Wucht mit vollendeter Eleganz und sanfter Schönheit.
Da Kudus vielfach vom Auto aus erlegt werden, wobei ein richtiges Beobachten nicht möglich ist, hört man häufig etwas abfällige Äußerungen über den Kudu und die Jagd auf dieses Wild. Auch wird manchmal behauptet, jedes Kudugehörn sei gleich.
Dies wird dem Kudu nicht gerecht. Wer sich etwas näher mit dem Kudu befaßt, wird erkennen, daß er für den Jäger, der Wert auf Eindrücke legt, der Gefühl für die Harmonie der Natur hat, möglicherweise das allergrößte Jagdwild ist.
Das Gehörn des Kudus ist immer wieder verschiedenartig und in einigen Exemplaren von geradezu absoluter Schönheit. Ein alter, ausgereifter Kudubulle ist über alle Maßen begehrenswertes Jagdwild. Kudus sind außergewöhnlich anpassungsfähig. Sie haben in Namibia ideale Bedingungen vorgefunden und der Bestand ist im Zuge der Wassererschließung auf den Farmen zu großer Dichte angewachsen.
Es ist kein Problem, in Namibia einen Kudu zu erlegen. Dazu ist der Wildbestand zu groß. Die Jagd auf den Kudu wird hierdurch mitunter etwas abgewertet.
Die Maßstäbe der Bejagung setzt man sich selber. Einfach irgendeinen Kudu zu erlegen ist nicht schwierig - dieser wird einem in Namibia unweigerlich in den Weg laufen. Aber: einen alten Kudubullen zu erjagen, der ein kapitales, schöngeschwungenes Gehörn trägt, ist schwierig und reizvoll. Kudus bevorzugen bergiges oder dicht bewachsenes Gelände. In sehr offenen Gebieten sind sie nur entlang der dichter bewachsenen Trockenflüsse anzutreffen.
Wenn sie sich in dichtem Dornbusch bewegen, dirigieren Kudubullen die dornigen Zweige mit dem zurückgelegten Gehörn geschickt zu beiden Seiten am Körper vorbei. Kudukühe schließen sich meist mit ihren Jungtieren zu Gruppen von sechs bis zehn Tieren zusammen. Sehr häufig steht ein junger Bulle von bis zu drei Jahren bei einem solchen Rudel. Mittelalte und alte Bullen ziehen außerhalb der Brunft entweder allein oder in lockeren Junggesellenverbänden. Einmal habe ich erlebt, daß ein vor seinem Rudel herziehender Kudubulle in der Brunft ein muhendes Röhren ausstieß. Ich hatte den Eindruck, daß dieses Röhren eher dem Zusammenhalt innerhalb des Rudels diente, als dem Einschüchtern von Rivalen. Im allgemeinen ist die Brunft still. Während der Brunft (Mai - Juli) ist es häufig leicht, einen starken Bullen zu finden. Bei Gefahr stoßen Kudus ein sehr lautes, heiseres, bellendes Schrecken aus. Kälber werden mit Vorliebe auf kleinen Kuppen oder Bergen abgelegt.

BEJAGUNG


Der überwiegende Teil der Kudus wird in Namibia vom Auto aus geschossen. Das ist entwürdigend und sollte endlich der Vergangenheit angehören.
Ein Kudu unterscheidet sich in seinem Fluchtverhalten deutlich von den anderen größeren Antilopen. Er ist kein großer Sprinter und versucht, sich bei Gefahr sehr geschickt zu drücken, wobei ihm im Dornbusch seine graue Färbung sehr zugute kommt. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich Kudus, die eine Gefahr vermuten, geradezu auf "Zehenspitzen" unter Vermeidung aller Geräusche davonschleichen. Alle anderen Antilopenarten preschen in solchen Situationen polternd davon, um nach einer Weile zu verhoffen und zurückzuäugen.
Nicht so der Kudu. Man spürt geradezu, wie unheimlich es ihm ist, Freiflächen zu überqueren. Ein alter Kudubulle kann sich regelrecht "verpissen". Dies geht so weit, daß sich ein Kudubulle im hohen Gras unter einem Busch flach auf die Erde drücken kann.
Mit dem Geländewagen angefahren, verharrt er meist regungslos und hofft, nicht entdeckt zu werden; selbst wenn er vor dem Wagen abspringt, flüchtet er meist nur ein kurzes Stück und schiebt sich wieder im Dornbusch ein, in der Hoffnung, daß der Wagen an ihm vorbeifährt. So kommt der "Waidmann" häufig zu lächerlich einfachen Schüssen aus kürzester Distanz.
Auf der Fußpirsch gestaltet sich die Jagd auf den Kudu schwierig und reizvoll. Kudus sind scheu und aufmerksam. Sie sind sich darüber im klaren, daß sie einem Menschen sehr wohl davonlaufen können, und springen sofort ab, sobald sie einen gewahr werden.
Mehrere Arten der Bejagung sind aussichtsreich.
In bergigem oder hügeligem Gelände sollte von erhöhten Aussichtspunkten aus die Umgebung sorgfältig abgeglast werden. Das Geheimnis bei der Jagd auf einen alten, kapitalen Kudubullen heißt: warten, beobachten und lauern. Ein ungeduldiger, hektischer Jäger wird den alten Bullen übersehen, entdeckt werden und nur durch Zufall zum Erfolg kommen. Bei stundenlangem Absuchen des Geländes wird man erstaunlich viele Kudus entdecken können. Häufig kann man Kudubullen in dichtem Busch am Glanz ihres Gehörns entdecken. Auch kann man äsende Kudus häufig hören, wenn sie mit dem Gehörn Schoten, Zweige und Laub herunterschlagen, welches sie anders nicht erreichen können.
Hat man einen alten, starken Kudubullen entdeckt, wird er angepirscht. Dies ist außerordentlich schwierig, da der Kudu immer wieder im Dornbusch verschwunden ist und dort minutenlang verharrt und sichert. Dauernd muß man den Kudu wiederfinden, um beim Weiterpirschen nicht entdeckt zu werden oder plötzlich aufzulaufen. Besonders wenn es sich um einen Junggesellenverband handelt, bei dem die einzelnen Stücke weitverstreut äsen, erfordert die Jagd große Geduld und äußerste Vorsicht, um nicht einen der Bullen im Dornbusch zu übersehen und dann entdeckt zu werden. Kudus lösen sich aufgrund ihrer Färbung hervorragend im trockenen Dornbusch auf. Auf dem Rücken haben Kudubullen jedoch eine weißliche "kammartige" Mähne, die den Körper praktisch umrahmt. Unaufmerksam, übersieht man auch diesen Mähnenstreifen im Buschland. Als erfahrener "Kudujäger" achtet man jedoch besonders darauf. Es ist immer wieder ein elektrisierendes Gefühl, wenn man - sich auf Zehenspitzen mit angehaltenem Atem durch den Dickbusch tastend, in dem ein Kudubulle steckt - plötzlich die Rückenmähne des Bullen wahrnimmt. Bei näherem Hinsehen nimmt mit einem Mal der massige Körper Gestalt an, der so hervorragend mit dem Buschland verschmelzen kann.
Besonders reizvoll ist es auch, Dickbuschgebiete auf der Suche nach einem starken Kudubullen langsam und vorsichtig zu durchpirschen. Dabei muß immer wieder angehalten, gelauscht und gelauert werden, vorteilhaft ist es hierbei, häufig auf die Knie zu sinken und in Bodennähe unter dem Dornbusch hindurchzusehen, da hier die Vegetation etwas weniger dicht ist. Beim Aufeinandertreffen mit einem Kudubullen muß ruhig und schnell angesprochen und geschossen werden. Meist verharrt der Kudu sekundenlang regungslos, bevor er abspringt. Häufiger wird man jedoch erst den sich plötzlich aus dem Dornbusch lösenden und abspringenden Kudu bemerken. In jedem Fall ist das Zusammentreffen mit einem Kudu in dieser "Buschfeldlandschaft" höchst atmosphärisch. Im Spiel von Licht und Schatten auf knorrigen Bäumen und Büschen, rötlichen Termitenhügeln und Wildwechseln kommt der scheue Kudu voll zur Geltung.
Wenn der Kudu vom Geländewagen aus gesehen wird, sollte man zunächst weiterfahren und dann später zurückpirschen. Es hat keinen Sinn, anzuhalten und das Auto zu verlassen.

ANSPRECHEN


Mit einer gewissen Übung ist schon auf den ersten Blick zu erkennen, ob ein Kudu "fertig" ist, oder ob es sich um einen jüngeren, unreifen Bullen handelt. Dabei ist das Gesamtbild des Kudus entscheidend, das heißt, die Form des Gehörns und der Körperbau. Ein alter Kudubulle wirkt massig und vor allem der Träger ist muskulös und schwer, der Brustkorb tief. Allein auf die Hornspitzen zu achten, ist irreführend; die Faustregel, wonach die Spitzen eines alten Bullen nach außen weisen, nur bedingt richtig. Einige der wirklich kapitalen, tief gewundenen Trophäen haben nach innen zeigende Gehörnspitzen. Flacher gedrehte, geschraubte Gehörne zeigen schon früh nach außen.
Den wirklich alten, reifen Kudubullen kann man daran erkennen, daß die Schläuche an der Basis deutlich von der Decke abgenabelt sind, das heißt, nicht mehr von unten nachschieben. Sie sind an der Basis niemals weißlich oder rosa und zeigen eine deutliche Querriffelung. Ein weiterer Hinweis sind abgestumpfte Gehörnspitzen.

TROPHÄE


Der Kudu trägt eine wunderschöne Trophäe. Das klassische Gehörn hat eine divergierende Form und zwei volle Windungen jeder Gehörnstange, mit einem stark ausgeprägten Riff entlang der Spirale. Vorsicht ist bei sehr weit ausgelegten Kudus geboten. Diese wirken meist stärker als sie in Wirklichkeit sind; obwohl sie an der Wand natürlich immer gut aussehen.
Wirklich kapitale Kudus erkennt man an den tiefen Windungen, das heißt, das Gehörn ist in offenen Spiralen gedreht und nicht geschraubt. Diese Kudus haben häufig ein enger gestelltes Gehörn und in vielen Fällen weisen die Gehörnspitzen nicht nach außen. 128 cm mittel, 132 cm stark, 137 cm kapital




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