| ALLGEMEIN |
Der Leopard ist eine der begehrtesten und am seltensten erbeuteten
Trophäen Afrikas.
Er ist außergewöhnlich heimlich und anpassungsfähig. Bei den seltenen Zusammentreffen mit Leoparden
beeindruckt die wunderbare Schönheit und Eleganz der Katze ebenso wie das bemerkenswerte Selbstbewußtsein
und die große Wildheit des Leoparden. Der fast immer etwas offene Fang vermittelt einen knurrigen,
mißgelaunten Eindruck. Leoparden gibt es viel häufiger als allgemein angenommen wird. Auch sind sie
in ungestörten Gebieten zu einem großen Maße tagaktiv. Man bekommt sie jedoch sehr selten zu Gesicht,
da sie ausgesprochen vorsichtig sind. Sobald sie eine menschliche Annäherung bemerken, sinken sie
zu Boden und können sich hinter der kleinsten Deckung unvorstellbar gut verstecken.
Leoparden sind Einzelgänger. Nur in der Paarungszeit trifft man sie zu zweien an. Auch begegnet man
mitunter einem Weibchen mit mehr oder weniger erwachsenen Jungen. Leoparden sind standorttreu, wobei
die Territorien der Männchen größer sind und sich mit denen mehrerer Weibchen überschneiden können.
Das Brüllen eines Leoparden aus kurzer Entfernung ist ein ebenso unheimliches wie großartiges Geräusch.
Dieses Brüllen ist ein "sägendes" oder "raspelndes" Geräusch. Man hört es mitunter nachts aus
unmittelbarer Nähe, wenn man in abgelegenen Gegenden kampiert.
Fast hat man den Eindruck, als wolle der Leopard den verhaßten Menschen aus seinem Revier
vertreiben: "Ich weiß. Du bist ein Mensch und gefährlich und deshalb bin ich vorsichtig und
bewege mich des Nachts; aber sei Du auch vorsichtig und bleibe mir aus dem Weg, denn ich bin
ein Leopard und schlage, wen ich will. "
Leoparden haben eine sehr vielseitige Beutetierskala. Sie reicht von Mäusen über Hasen und
Klippschliefer, Vögeln, Kleinantilopen, Pavianen, mittelgroßen Antilopen bis zu weiblichen
Kudus und jungen Zebras. Auch bei reichlichem Nahrungsangebot fischen Leoparden gerne Wasserschildkröten
aus Tümpeln. Der obere Panzerteil wird dann abgebissen und mitsamt dem Inneren verzehrt.
Zurück bleibt der untere Panzerteil. Buschmannjäger haben mir erzählt, daß sie einem Leoparden
eine große Python abgejagt hätten, die dieser zuvor getötet hatte. Eine Vorliebe haben Leoparden
für Hunde und Warzenschweine. Leoparden sind ausgeprägte Jäger kleiner Raubtiere wie Mangusten,
Ginsterkatzen, Servalen und Schakale.
Der Leopard wird oft wegen seiner geringen Größe unter dem wehrhaften Großwild unterschätzt.
Es gibt Berichte, denen zufolge Leoparden mit bloßen Händen getötet wurden. Hierbei handelte
es sich wohl um weibliche Leoparden.
Männliche Leoparden von mehr als 50 kg Gewicht sind, wenn angeschossen, extrem gefährlich.
Vor dem Schuß ist Leopardenjagd ungefährlich, der Leopard wird dem Menschen immer ausweichen.
Auch läßt die Art der Bejagung meist einen sauberen Schuß vom Ansitz aus zu. Nur in den seltensten
Fällen, in denen ein Leopard wirklich krankgeschossen wird, wird es brenzlig - nun dafür aber richtig.
Der Leopard kann sich in scheinbar deckungslosem Gelände unsichtbar machen, die Schnelligkeit des
Angriffes läßt sich nicht in Worte fassen. Ein Ausweichen ist unmöglich.
Die Aussage, daß Leoparden bedingungslos angreifen, ist nicht richtig. Ich habe erlebt, daß ein 20 m
entfernter, angeschossener Leopard wiederholt furchterregende Scheinangriffe unternommen hat, ohne
wirklich anzugreifen. Allerdings wurde ihm nach dem Schuß keine Zeit gelassen, sich zurückzuziehen.
Auch in Tellereisen gefangene Leoparden versuchen häufig, durch drohendes Gebrüll die sich nähernden
Menschen einzuschüchtern, ohne anzugreifen.
Zwar hört man im Käfig gehaltene Leoparden mitunter fauchen, bedrohte oder angreifende Leoparden werden
jedoch kaum fauchen, sondern brüllen.
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| BEJAGUNG |
Im Farmgebiet von Namibia sind Leoparden ungewöhnlich vorsichtig
und dementsprechend schwer zu erbeuten. Da sie seit Generationen von den Farmern mit Tellereisen bejagt
werden, sind sie extrem mißtrauisch. Mit großer Mühe und hervorragender Kenntnis der Gewohnheiten des
Leoparden wird es gelingen, den Leoparden einmal an ein Luder zu bekommen, wenn man den Köder in
ungestörten Gebieten anbringt - doch kommt der Leopard nach meiner Erfahrung nicht zum Köder zurück
und ist schon in der nächsten Nacht 10 km weiter. Anders als in vielen Gebieten ziehen die Leoparden
in Namibias Farmgebieten in großen Territorien weit umher und beziehen ständig wechselnde Schlupfwinkel,
so daß sie schwer auszurechnen sind. Das große Problem besteht nicht darin, daß die Leoparden kein Luder
annehmen, sondern in ihrem Mißtrauen und in der Schwierigkeit, sie auszurechnen.
Ich habe einen Fall erlebt, wobei eine Leopardin, die in einem isolierten Bergzug einen sicheren Einstand
hatte, einen Warzenschweinköder sofort angenommen und am selben Tag den Einstand zu einem anderen Bergzug
verlegt hat, ohne zurückzukehren. Dieselbe Leopardin habe ich später mit einem Lebendköder erbeutet.
Nachdem sie selbst "gerissen" hatte, kehrte sie zum Köder zurück. Dabei war ihre Sorglosigkeit
bemerkenswert. Dies fällt auch auf, wenn man Leoparden an einem Riß erwartet. Sie sind kaum sonderlich
vorsichtig, bevor sie sich nähern. Elands beim Annähern an eine Wasserstelle sind beispielsweise
vorsichtiger.
Leoparden nehmen bei einem in einem Baum aufgehängten Luder keineswegs an, daß es sich um die Beute
eines Rivalen handelt. Sie wissen, daß es das Werk eines Menschen ist. Sind sie wenig bejagt worden,
ernähren sie sich bedenkenlos mehrere Tage lang an einem solchen Luder.
In Namibias Farmgebieten gehen sie entweder gar nicht an Luder, oder sie verschwinden sofort, wenn sie
einmal einen Köder angeschnitten haben.
Wenn man Leoparden in den Safarigebieten bejagt, fällt auf, wie regelmäßig Leoparden bestimmte Wechsel
benutzen und dieselbe Wasserstelle aufsuchen. Anders in den Farmgebieten. Sie haben viel größere
Territorien, benutzen kaum zweimal denselben Schlupfwinkel oder dieselbe Wasserstelle hintereinander.
Dadurch kann man sich nicht auf sie einstellen, das Luder wird in aller Regel vertrocknet sein, bevor
der Leopard wieder in die Gegend kommt.
Eine wichtige Faustregel bei der Leopardenjagd im Farmgebiet (ganz im Gegensatz zu den Safarigebieten)
lautet: findet man auf einem bekannten Wechsel eine frische Fährte, lohnt es sich nicht, hier zu jagen,
denn der Leopard ist gerade durchgezogen. Man muß sich ausrechnen, wo er als nächstes auftauchen könnte.
Findet man hier keine
frische Fährte, so kann man ihn demnächst vielleicht erwarten. Hier versucht man, ihm aufzulauern - mit
minimaler Beunruhigung der Gegend.
Ansitz an abgelegenen Wasserstellen oder bevorzugten Wechseln in Trockenflußbetten ist
erfolgversprechend. Unter Vieh zu Schaden gehende Leoparden lassen sich gut mit Lebendköder (Ziege)
erbeuten. Dabei ist es zwecklos, irgendwo eine Ziege abzustellen in der Hoffnung, daß der Leopard sie
schon finden wird. Die Ziege muß dem Leoparden direkt auf einem seiner bevorzugten Wechsel mit Wasser
und Futter an einem Laufdraht angebunden werden. Hat der Leopard die Ziege (mitunter erst nach 10 - 14
Tagen) gerissen, sitzt man dort in einem guten Schirm an und wird den Schadleoparden mit ziemlicher
Sicherheit erbeuten.
Auch wenn das Anködern mit Lebendködern nicht jedermanns Zustimmung finden wird, ist es - wenn
ordentlich gemacht - auf jeden Fall besser, als das allgemein praktizierte und jagdlich unzulässige
Tellereisenstellen. Sollten Jäger und Farmer auf das Tellereisenstellen verzichten, wird es vielleicht
in Zukunft möglich sein, auch in Namibias Farmgebieten mit guten Erf'olgsaussichten auf Leoparden zu
jagen - zum Vorteil aller, besonders des Leopardenbestandes.
Gelingt es, einen frischen Leopardenriß zu finden, ist ein Ansitz dort höchst erfolgsversprechend.
Außerdem lassen sich Leoparden auch gezielt erpirschen. In abgelegenen, ungestörten Gebieten pirscht
man am späten Nachmittag - am besten allein - durch Schluchten und entlang Trockenflußbetten.
Dabei ist eine hervorragende Beherrschung des lautlosen "Lauerpirschens" erforderlich. Trifft man
auf einen Leoparden, ist meist ein blitzschneller Schuß erforderlich. Wenn der Leopard einen Menschen
bemerkt, versucht er sich zunächst zu drücken. In solchen Fällen ist Abwarten meist wenig
erfolgversprechend; man pirscht besser laut und schnell zu der Stelle, an der man den Leoparden zuletzt
gesehen hat, um auf den dann abspringenden Leoparden zu Schuß zu kommen.
In den nördlichen Safarigebieten Namibias lassen sich Leoparden auf die klassische Art anludern.
Wer Leoparden im Farmgebiet bejagt hat, für den ist das Anludern in diesen Gebieten lächerlich einfach.
Sobald man den Einstand, sowie die bevorzugte Wasserstelle eines Leoparden ausgefährtet hat, legt man
eine Schleppe um die Wasserstelle und über bevorzugte Wechsel. Man sollte sich nicht an einem idealen
Köderbaum blindstarren - nahezu jeder etwas größere Baum ist geeignet - viel wichtiger ist gute Deckung
für den Leoparden beim Anwechseln.
Der Schirm sollte möglichst nahe, ruhig 20 - 30 m entfernt sein, aber absolut "dicht" mit einem kleinen
Schießloch. Bei zu großer Entfernung kann es schnell zu schlechten Schüssen kommen, da das Jagdfieber
beim Auftauchen eines Leoparden meist sehr heftig ist.
Als Köder eignet sich besonders Warzenschwein, Elefantenfleisch oder Antilopen. Affen sind ungeeignet.
Häufig erscheint der Leopard schon am frühen Nachmittag am Luder. Man bezieht den Schirm am besten
frühmorgens um 04.00 Uhr und wieder um 15.00 Uhr und wartet bis zum letzten Licht. Angeschossene
(besonders große, männliche) Leoparden sind brandgefährlich. Ein angeschossener Leopard wird im ersten
Moment meist zu brüllen beginnen und um sich schlagen, bevor er flüchtet. In solchem Fall halte ich es
für empfehlenswerter, sich dem Leoparden sofort schnell und entschlossen zu nähern, solange er sich noch
unter Schock befindet, und ihm keine Möglichkeit zu lassen, sich in aller Ruhe zurückzuziehen. Ist der
Leopard erst still geworden und man hat ihm Zeit gelassen, sich (in aller Ruhe) zu verstecken, bevor man
ihm nachgeht, begibt man sich in die allergrößte Gefahr, furchtbar zugerichtet zu werden.
Erst wenn man es mit eigenen Augen erlebt hat, kann man sich eine Vorstellung davon machen, wie gut sich
ein Leopard verstecken kann und wie blitzschnell er angreift. Man braucht nicht unachtsam sein und kann
sich in relativ deckungsarmem Gelände einem kauernden Leoparden auf 3 m nähern, ohne ihn zu bemerken.
Einen seitlichen oder hinterücksen Angriff kann man auf solche Entfernung nur schwer stoppen.
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